Das iPad als interaktives Whiteboard

Mar 27, 2018 00:00 · 730 words · 4 minutes read Workflow

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Vom interaktiven Whiteboard…

Die Idee des interaktiven Whiteboards ist nicht neu. Wir verstehen darunter in der Regel eine Einheit aus Tafel, Rechner mit spezieller Software und Projektionsgerät. Zentraler Vorteil gegenüber der klassischen Tafel ist die digitale Verarbeitung von Inhalten. Sie können von der Lehrkraft zu Hause vorbereitet, in der Schule mit der Lerngruppe bearbeitet und anschließend digital weiterverarbeitet werden.

Doch der anfänglichen Euphorie ist mittlerweile Ernüchterung gewichen:

  • Geschlossene Systeme: Wie manch andere Technik sind auch interaktive Whiteboards fehleranfällig. Da Rechner + Software + Board + Eingabegerät eine Einheit bilden, sind die Komponenten aufeinander abgestimmt und deshalb nur schwer austauschbar.

  • Qualität der Projektion: Auch wenn Beamer mittlerweile HD-Auflösung zu einem akzeptablen Preis bieten - die Projektionsfläche selbst ist meist so groß, dass die vor dem Board stehende Lehrkraft jedes einzelne Pixel erkennen kann. Die Arbeit an einer solchen Fläche ist entsprechend ermüdend. Neue Entwicklungen wie 4K-Beamer oder riesige Monitore mit Touch-Fähigkeit werden hier evtl. Abhilfe schaffen.

  • Qualität der Software: Jeder Hersteller entwickelt seine eigene Software. Zudem sind die Softwarelösungen meist wenig intuitiv. Versuche, mit einer unabhängigen Software Boards möglichst vieler Hersteller unter einen Hut zu bringen, klingen zwar vielversprechend, müssen sich aber auf einen kleinen gemeinsamen Nenner beschränken. Als Folge ist von dem Kauf von Einheiten unterschiedlicher Hersteller abzuraten.

  • Frontales Arbeiten: Unabhängig davon, ob die Lehrkraft oder ein Schüler das Board bedient - der gesamte Unterricht ist frontal auf das Board ausgerichtet. Die Lehrkraft hat zudem während der Arbeit am Board die Lerngruppe nicht im Blick.

Die genannten Gründe haben dafür gesorgt, dass der Hype um interaktive Whiteboard abgeebbt ist - wenngleich die Anschaffung dieser Geräte noch immer als Zeichen moderner Ausstattung gesehen wird (vgl. den kritischen Artikel von Jöran Muuss-Merholz).

…zum iPad mit entsprechender App

Auch wenn das interaktive Whiteboard sich als Geräteklasse nicht so recht durchsetzen konnte, so bleibt doch die Grundidee erhalten. Nach der Markteinführung von Tablets wurde deshalb versucht, diese Idee als Softwarelösung für Tablets in Kombination mit einer Stiftengabe umzusetzen.

Mittlerweile stehen mit dem iPad Pro 12.9, dem iPad Pro 10.5 und dem iPad 9.7 drei Modelle zur Auswahl, die in Kombination mit dem Apple Pencil und einer entsprechenden App einen hervorragenden Ersatz für ein interaktives Whiteboard darstellen:

  • Das Display selbst stellt die Schreibfläche dar. Die Schreibfläche kann also bearbeitet werden, ohne die Ausrichtung zu den Schülern zu verlieren.

  • Der Apple Pencil erlaubt ein sehr präzises Bearbeiten der Schreibfläche. Beim Schreiben ist keine zeitliche Verzögerung feststellbar.

  • Es stehen diverse hervorragende Apps zur Verfügung, die ein Arbeiten mit dem iPad als interaktivem Whiteboard ermöglichen (z.B. GoodNotes, NoteShelf, ExplainEverything oder Notability). Hier findet jeder seinen individuellen Favoriten.

  • In Kombination mit einem AppleTV kann ein angeschlossener Beamer von jedem Punkt im Raum mobil vom Lehrer oder einem Schüler angesteuert werden.

  • Da das iPad selbst mobil ist, kann es sogar in jedem Raum der Schule genutzt werden, sofern eine Projektionslösung (Kabelanschluss) oder noch besser eine drahtlose Projektionslösung (AppleTV) bereitsteht.

  • Alle Komponenten (iPad, AppleTV, Beamer) sind unabhängig voneinander und können jederzeit durch Geräte einer neueren Generation ersetzt werden.

  • Das Einsteigermodell iPad 9.7 ist so preiswert, dass die Anschaffung eines solchen Modells für jeden Raum bzw. für jede Lehrkraft erschwinglich geworden ist.

Mein Setup

Als Informatiklehrer nutze ich in meinem Kursraum den folgenden Aufbau:

  • Auf meinem iPad Pro 10.5 nutze ich GoodNotes zur Bearbeitung von Dokumenten.

  • Alle Arbeitsblätter und Folienvorlagen einer Reihe halte ich als PDF-Dokumente vor, so dass ich sie zu einem großen PDF-Dokument verbinden und in GoodNotes bearbeiten kann. Diese Dokumente bzw. Teile daraus können bei Bedarf exportiert und in einem Schüler-CMS abgelegt werden.

  • Das Bild wird per AppleTV auf einen Nahdistanzbeamer gestreamt. Bei Bedarf geht auch der Ton an speziell dafür montierte Lautsprecher.

  • Als Projektionsfläche nutze ich ein höhenverstellbares Whiteboard mit matter Oberfläche.

  • Wenn ich im Informatikunterricht einen “echten Rechner” benötige, um Programmierübungen o.ä. direkt in der Software (z.B. in BlueJ) zu besprechen, nutze ich einen iMac als Lehrerrechner.

Die Bearbeitung der PDF-Dokumente geht mit dem Apple Pencil gut von der Hand. Ich kann Änderungen jederzeit rückgängig machen und das Endergebnis exportieren. In vielen Fällen lohnt sich jedoch der Aufwand nicht, für einige wenige Ergänzungen in einem Arbeitsblatt das iPad und den Pencil startklar zu machen. Deshalb nutze ich den beschriebenen Aufbau nur dann, wenn es wirklich Sinn macht.

Fazit

Eine Lösung mit einem iPad und einem Apple Pencil ist sehr interessant, wenn es um einen mobilen und flexiblen Einsatz geht. Die meisten Lehrkräfte dürften hier wunschlos glücklich werden.